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PRESSEBERICHT DER HILDESHEIMER ALLGEMEINEN ZEITUNG SEPT. 2002
Pfandhaus ist gleich hinter der Kirche
Christian Krüger versilbert bei finanziellen Problemen den Goldschmuck
(fi) Im Schatten der Jakobikirche hat Hildesheim nach 150 Jahren wieder ein Pfandleihhaus. Betreiber Christian Krüger stellt Ansprüche und will weg vom Schmuddel-Image der Leihhäuser. Beleihen wird er, was "klein, fein,gut und teuer ist". Zu 80 Prozent ist es Schmuck, der in den bundesdeutschen Pfandleihhäusern landet. Aber auch Tafelsilber und Kunst sind möglich. Es sind Frauen, ab 30 aufwärts, die sich mit dem schnellen Kredit das Portemonnaie wieder füllen. Denn was Christian Krüger betreibt, ist nichts weiter als ein Kreditgeschäft. "Ich decke einen Randbereich ab für die, die vorübergehend Geld brauchen, die nicht zur Bank wollen, die die Schufa meiden wollen und die davon ausgehen, bald wieder flüssig zu sein, um den Pfandgegenstand auslösen zu können." Erstaunlicherweise kennen sich Pfandhausbetreiber und Kunden in der Regel gut, denn das Gewerbe hat zu 70 Prozent Stammkunden. Wer etwa seine 450 Euro teure Uhr, ein Jahr alt, zu Christian Krüger trägt, wird mit 80 Euro das fein ausgestattete Geschäft in der Jakobistraße wieder verlassen. Die Rechnung des Pfandleihers: Bei 180 Euro liegt der Händler-Einkaufswert der Uhr. Krüger kennt den Gebraucht-Uhrenmarkt, orientiert sich dazu aktuell im Internet. Rechnet Gebrauchsspuren ab, kommt auf einen Beleihungswert von etwa 60 Prozent des Einkaufswertes, zieht ein finanzielles Sicherheitsrisiko ab und zahlt dem Uhrenbesitzer die 80 Euro aus. Bis zu 500 Euro gibt es bar, darüber hinaus drückt Krüger aus Sicherheits-gründen seinen Kunden einen Scheck in die Hand. Schmuck nimmt der 54-Jährige am liebsten. Gewicht und Feingoldgehalt in eine Formel gebracht, zahlt Krüger für den Goldgehalt zu Tagespreisen. In Schmuck kennt sich der Hildesheimer, der vorher ein Antiquitätengeschäft betrieb, seit Jahrzehnten aus. Dass ihm das Jesuitenkolleg Sankt Blasien, bei dem Krüger sechs Jahre lang fürs Leben lernte, das goldene Händchen fürs Geld beibrachte, führt der Leihhauschef ins Reich der Legendenbildung zurück. "Die Zeit war reif, dass Hildesheim wieder ein Leihhaus bekam", ist Krüger sich sicher. Vor 150 Jahren gab es in der Alten Münze ein Hildesheimer Leihhaus. Treibt die unsichere Wirtschaftslage mit ihren sozialen Problemen Krüger die Kundschaft ins Haus? "So einfach kann man das nicht sagen. Leihhäuser haben immer Kundschaft. Aber unsichere Zeiten sind sicherlich nicht meine schlechteste Geschäftsgrundlage." Für den Kredit, so regelt es die gesetzliche Pfandleiher-Verordnung von 1961, kassiert Krüger monatlich ein Prozent. Hinzu kommt eine Bearbeitungsgebühr. Bei 300 Euro Kredit sind es pro Monat 6,50 Euro. Drei Monate liegt das Pfand, dann kann es versteigert werden. Gelingt das nicht, übernimmt das Leihhaus das Pfand und verkauft es für sich. Als nahezu unmöglich sieht Krüger die Gefahr, dass ihm Diebesware angeboten wird, denn "alle Geschäfte laufen nur nach Vorlage des Personalausweises". Autos, und seien sie noch so edel, wird der ehemalige Jesuitenschüler nie beleihen. Auch teure Stereoanlagen oder PCs sind Christian Krüger nichts wert. "Aber bringen Sie mir fünf Kilo Gold, und wir kommen ins Geschäft", macht er klar, und bedient während des einstündigen Gesprächs bereits den zweiten Kunden im neuen Hildesheimer Pfandleihhaus.